28. Januar 2018

ÜBER DEN ZAUBER VON WORTEN & DEN BEGINN EINES BLOGS



Und da sind wir nun.
Ich vor meinem Laptop sitzend, bin auf der Suche nach den richtigen Worten – nicht zu emotional, nicht zu dramatisch, aber auch nicht zu lässig und abgebrüht sollen sie sein. Und du, vor deinem Laptop oder Smartphone, bist irgendwie auf diese Zeilen gestoßen. Vielleicht hast du gerade nichts Besseres zu tun, überbrückst die Zugfahrt, sitzt in einer langweiligen Vorlesung oder drückst dich vor einer Aufgabe, die du besser heute als morgen erledigen solltest. Vielleicht freust du dich, von mir zu lesen. Vielleicht denkst du dir auch: „Schon wieder ein neuer Blog irgendeiner Instagram-Unbekanntheit? Hat die nichts Besseres zu tun?“
Nun ja.


Während andere gerne Sport treiben, mit dem Hund spazieren gehen oder im Garten arbeiten, ist mein liebster Ort, an dem ich mich immer wieder zurückziehe, meine Gedankenwelt. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, steht auf einer an meine Wand gepinnten Postkarte, ein Zitat von Francis Picabia. Und so fühle ich mich oft – meine Gedanken laufen rund wie auf einem Karussell. Einzelne Worte, plötzliche Einfälle, Assoziationen mit Gerüchen oder Geräuschen, Strukturen einer Argumentation und erste ausformulierte Sätze jagen einander im Kreis. In diesem Wirbeln fühle ich mich geborgen. Daraus ziehe ich Kraft.

Seit meiner Grundschulzeit ist das geschriebene, gesprochene und gedachte Wort etwas, das ich ganz bewusst verwende. Es macht mir einfach Spaß, wenn ich auf der Suche nach einem Fachbegriff oder einer ehrlichen Formulierung Erfolg habe. Wenn ich das exakt ausdrücken kann, was in meinem Kopf im Kreis läuft. Wenn das von mir Geschriebene durch geschickte Zeichensetzung, einen Absatz, auf einmal so klingt, wie es sich für mich anfühlt. Wenn Worte nicht nur Mittel zum Zweck sind, sondern auch für sich gesehen schön sind. 

Für mich ruht der bewussten Wortwahl ein Zauber inne, der den Alltag schöner und den Dialog mit anderen besonders macht. Sich Mühe mit der eigenen Sprache zu geben ist ein kleiner Luxus, gerade wenn der eigene Alltag oft daraus besteht, mehrere Wochen lang Multiple-Choice-Fragen auswendig zu lernen. Im Medizinstudium kann ich meine Liebe zu Worten selten einbringen und ausleben. Gerade deshalb ist es mir wichtig, das Schreiben nicht komplett zu verlieren, sondern andere Wege zu finden, um meine Gedanken und Eindrücke auszuformulieren und damit in den Dialog mit anderen zu treten.

Vor mehreren Jahren bin ich einer Fotografie-App beigetreten, um mich über die Umstellung auf glutenfreies Essen zu informieren und Ideen für Rezepte zu finden. Daraus wurde nach und nach ein Ort, an dem ich einige persönliche Gedanken, Anekdoten aus dem Medizinstudium, Lernerfolge, Zweifel und zunehmend auch Ratschläge und Erlebnisse geteilt habe. Wohlgemerkt in einem virtuellen Rahmen, der eigentlich dafür gedacht ist, Fotos zu teilen. 

Dass die Rechnung, meinen Instagram-Account wie einen Blog zu behandeln, für mich persönlich nicht aufgeht, ist mir schon länger bewusst. Ich möchte Texte so formatieren können, wie ich es will. Ich möchte so lange schreiben, wie es der Inhalt fordert, ohne dass mich eine Zeichenanzahl dazu zwingt, Texte wieder und wieder zu kürzen und ihnen damit ihren Charakter zu nehmen. Ich möchte mich freier machen von Instant-Reaktionen wie „Gefällt mir“-Angaben und schnellen Kommentaren. Deshalb ist der Blog „sie lebe hoch“ ein für mich logischer und notwendiger Schritt, um den längeren, ausformulierten oder informativen Texten, die für mich nie richtig auf Instagram gepasst haben, ein echtes Zuhause zu geben. 

Die Fotografie-App wird weiterhin ein Ort bleiben, an dem ich Gedanken, Überlegungen, Updates und Schnappschüsse teile. Aber eben nicht mehr. Wenn ich über ein Thema ausführlicher schreiben möchte - ein differenziertes Fazit zu meinem Erasmussemester, ein persönlicher Reiseführer zu meinen Lieblingsorten, Tipps zum effektiven Lernen, Gedanken zu einem komplexeren Thema oder meine persönlichen Erfahrungen im Freiwilligendienst oder als Zöliakie-Patientin - , will ich dies an einem dazu passenden Ort tun. 

Ich hoffe sehr, dass der Blog „sie lebe hoch“ für mich und auch für dich dieser passende Ort wird. Und vielleicht freust du dich sogar ein wenig – ich freue mich nämlich sehr auf das, was dieses Jahr an Schriftlichem kommen mag!  

Alles Liebe,
Miri

Kommentare:

  1. Ich freue mich sehr, hier in Zukunft mehr von dir zu lesen. Auch wenn ich auf Instagram eher stiller Leser bin, finde ich deine Gedanken immer sehr tief, intelligent, reflektiert und gut formuliert.

    Liebe Grüße,
    Flo

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  2. Bei der Formulierung "Fotografie-App" musste ich direkt schmunzeln! Du schreibst sehr schön und man merkt auch sofort, wie bedacht du deine Gedanken in Worte gefasst hast. Wirklich schön und angenehm zu lesen!

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    1. Haha ja, meine Freundin meinte beim Lesen auch: "Mensch Miri, schreib doch einfach Instagram." :D

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